Monate nach der Abgabe einer Analyse kommt die Frage: „Könnten wir auch diesen Zustand rechnen?" oder, schlimmer: „Das Feldergebnis passte nicht — woher kommt der Unterschied?"
In diesem Augenblick sind nicht die Diagramme im Bericht wertvoll, sondern die ganze Kette, die das Ergebnis hervorgebracht hat.
Was aufbewahrt werden muss
- Die Eingangsgeometrie und die Liste der daran vorgenommenen Vereinfachungen. Siehe die Notiz zur Geometrieaufbereitung.
- Die Parameter der Netzerzeugung — nicht das Netz selbst, sondern das Rezept, das es erzeugt. Mit dem Rezept lässt sich das Netz neu erzeugen; eine Netzdatei allein ist eine unveränderliche Kiste.
- Randbedingungen und Stoffwerte, mit ihren Quellen.
- Die Löser-Einstellungen: Diskretisierungsordnung, Druck-Geschwindigkeits-Kopplung, Konvergenzkriterium.
- Der Konvergenzverlauf und die Tabelle der Erhaltungsbilanzen. Siehe die Notiz zur Konvergenz.
- Die Rohergebnisse der Netzunabhängigkeitsstudie, nicht nur die Endtabelle.
- Die Versionsangaben. Mit welcher Version gerechnet wurde; Voreinstellungen können sich zwischen Versionen ändern.
Warum das Rezept und nicht die Datei
Netz- und Lösungsdateien sind groß und werden mit der Zeit unlesbar. Ein Rezept ist klein, lesbar und änderbar. Wird eine Parameteränderung verlangt, dauert die Antwort mit einem Rezept Stunden und ohne eines Wochen.
Das ist die eigentliche Begründung dafür, Analysen per Skript statt von Hand aufzusetzen: Reproduzierbarkeit ist kein Nebenprodukt der Automatisierung, sondern ihr Zweck.
Benennung und Versionierung
Rechenläufe brauchen unterscheidbare, sortierbare Namen; „versuch2_final_echt" ist kein Benennungssystem. Jeder Lauf sollte eine Variable ändern, und was sich geändert hat, sollte an seinem Namen oder in seinem Protokoll sichtbar sein.
In Optimierungsstudien ist das zwingend; die Konsistenz zwischen den Läufen ist das Ergebnis selbst. Siehe die Notiz zum Ersatzmodell.
Die Probe
Eine einfache Prüfung: Wäre die Person, die die Analyse durchgeführt hat, nicht mehr im Projekt — könnte eine Kollegin oder ein Kollege dasselbe Ergebnis reproduzieren? Lautet die Antwort nein, war das Gelieferte kein Ergebnis, sondern eine Behauptung.
Referenzen
- ASME (2009, R2021). V&V 20 — Standard for Verification and Validation in Computational Fluid Dynamics and Heat Transfer. American Society of Mechanical Engineers, New York.
- Celik, I. B., Ghia, U., Roache, P. J., Freitas, C. J., Coleman, H. & Raad, P. E. (2008). Procedure for estimation and reporting of uncertainty due to discretization in CFD applications. Journal of Fluids Engineering, 130(7), 078001. DOI: 10.1115/1.2960953